Geigenbau Christoph & Raffael Sprenger, St. Gallen, Schweiz

 

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Inhalt:

1. Die Entstehung der Violine

In Europa sind gestrichene Instrumente erst seit dem Mittelalter bekannt. Unter gestrichen versteht man das Spielen mit Bogen. Dieses Instrument war die Fiedel der Minnesänger. Mit einer Geige hatte sie noch nicht viel Ähnlichkeit. Erst im 15. Jahrhundert entwickelte sich daraus langsam die Gamben- und Violenfamilie.

Mit der Renaissance, die auf alle Künste einen sehr großen Einfluss hatte, erhielt  auch der Instrumentenbau neue Impulse. Die Geige in ihrer heutigen Form wurde anfangs des 16.Jahrhunderts gebaut. Nach dem gleichen Konzept entstanden auch die Bratsche und das Cello.

Alles was über die Geige und über ihren Bau erklärt wird, bezieht sich in gleicher Weise auf die ganze Geigenfamilie. Diese Instrumentengruppe wurde für die damals in Italien aufkommende neue Klangvorstellung entwickelt. Nach und nach hat sie die bis dahin gebräuchlichen Gamben und Violen abgelöst.

Im Augenblick in dem die Geige "gefunden" und gespielt wurde, ist auch ihre hauptsächliche Entwicklungsgeschichte vollendet. Wohl gab es und gibt es auch heute noch immer gewisse technische Änderungen, mit denen man heutige Klangvorstellungen erreichen will, Grundriss und Grundform des Instrumentes ändern sich aber nicht mehr.

In Italien, das vom Dreißigjährigen Krieg verschont blieb, erlebte der Geigenbau einen gewaltigen Aufschwung. Von 1535 - 1611 lebte in Cremona Andrea Amati. Dieser wurde  zum Begründer der berühmtesten Geigenbauschule der Welt. Unter Schule versteht man in diesem Zusammenhang nicht ein bestimmtes Lehrinstitut, sondern die jeweilige ortsgebundene Eigenart der verschiedenen Geigenbauzentren, ähnlich wie man dies auch von der Malerei her kennt. So gibt es zum Beispiel die die Brescianer-Schule, die Cremoneser-Schule, die Mailänder-Schule, die Neapoletaner-Schule und viele mehr.

In der Folge verbreitete sich der Geigenbau schnell in ganz Europa. Allein Cremona blieb es vorbehalten, die größten Meister des Geigenbaus hervorzubringen. Die berühmtesten Geigenbauer der Welt stammten alle aus Cremona. So zum Beispiel: die Familien Amati und Guarneri, Antonio Stradivari, die Familien Rugeri und Bergonzi. Stradivari- und Guarneri-Violinen sind seit mehr als 150 Jahren die begehrtesten Konzertinstrumente.

         

   

2. Weshalb klingen alte Meisterinstrumente so gut

Der Zerfall des Geigenbaus begann schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Durch die ständig steigende Nachfrage nach Instrumenten war man gezwungen, mehr und auch schneller zu produzieren. Es wurden schneller trocknende Lacke benützt, welche aber die Qualität der alten nie mehr erreichten. Noch heute bedauert jeder Geigenbauer und Geigenliebhaber das verschwinden der altitalienischen, so genannten klassischen Lacke.

Auch die Umweltverschmutzung hatte viele negative Einflüsse auf den Geigenbau. So wurden in früheren Zeiten die gefällten Bäume geflößt. Vor 250 Jahren war der Po ein sauberer Fluss der nicht mit der heutigen norditalienischen Kloake verglichen werden kann. Das Gleiche gilt natürlich für alle Gewässer die heute durch Industrie und Städte verschmutzt sind. Da Holz ein saugfähiger Werkstoff ist, dringen alle im Wasser gelösten und mitgeführten Stoffe mehr oder weniger stark in die Stämme ein. Bei der Austrocknung bleiben diese Stoffe dann im Holz zurück. Auch bei der späteren Bearbeitung durch den Geigenbauer kann dieser negative Einfluss nicht mehr korrigiert werden.

Doch nicht nur beim Holz spielt die Umwelt eine große Rolle. Sämtliche für den Lack verwendete Stoffe sind Naturprodukte. Der so genannte Porenfüller besteht aus Propolis, welches ein Produkt der Bienen ist. Die Farbstoffe der Lacke bestehen aus Naturfarben, die Lösungsmittel sind natürliche Ätherische Öle. All diese im Geigenbau verwendeten natürlichen Stoffe können in ihrer Reinheit in keiner Weise mit den Materialien aus der Zeit des klassischen Geigenbaus verglichen werden.

Die im klassischen Geigenbau verwendeten idealen Materialien und der sehr positive Einfluss des Alterungsprozesses von 200 und mehr Jahren schenkte uns die Vollkommenheit der klassischen italienischen Meisterinstrumente.

  

   

3. Die Restauration von Meisterwerken

Klingen diese alten Instrumente heute noch so wie zu Stradivaris Zeiten? Mit Sicherheit nicht. Instrumente mit dem Originalklang aus jener Zeit würden von der Mehrheit der Musiker abgelehnt. Mit absoluter Sicherheit würden sie von keinem Solisten konzertant gespielt (abgesehen in der barocken Musik), denn die Instrumente hätten niemals die Klangfülle und Tragfähigkeit die hintersten Reihen in einem Konzertsaal mit ausreichender Klangfülle zu erreichen. Dass dies trotzdem so ist, ist den Geigenbauern der Neuzeit zu verdanken. Viel Wissen und handwerkliches Können sowie sehr viel Erfahrung gehören dazu, um ein altes Instrument immer wieder klanglich zu restaurieren.

Des weiteren gibt es Reparaturen, die durch Unfälle und Beschädigungen notwendig werden. Wie schnell ist bei einem so zarten Instrument ein Riss entstanden wenn man es irgendwo anschlägt oder gar fallen lässt. Oder die Schäden, die durch zu trockene Luft entstehen. Diese entstehen vor allem bei neueren Instrumenten. Leider wurden diese Trocknungsrisse infolge der Zentralheizungen und Klimaanlagen eher häufiger.

   

   

4. Der Neubau

Über  Jahrhunderte hinweg hat sich die Werkstatt des Geigenbauers kaum verändert. Es sind zum größten Teil noch dieselben Werkzeuge wie bei den alten Meistern: Hobelbank, Sägen, große und kleine Hobel sowie Holzmeißel wie sie auch in der Bildhauerei verwendet werden. Außerdem Ziehklingen und Schablonen, auch verschiedene Pinsel für die Lackierung und dann vor allem verschieden große Schnitzmesser. Noch heute werden bei Sprenger Geigenbau Werkzeuge verwendet, mit denen schon der Gründer Fritz Sprenger gearbeitet hat.

Beim Geigenbau ist das Holz das wichtigste Material und ebenso wichtig ist eine sorgfältige Auswahl, um die bestmögliche Klangqualität zu erreichen. Ein Holz, das beispielsweise in seinem spezifischen Gewicht zu schwer ist, kann trotz der schönsten optischen Wirkung ein Versager sein. Daran scheitert auch die im Geigenbau vorhandene Massenproduktion, die schablonenhaft arbeitet, heute zum Teil mit modernsten, computergesteuerten Maschinen. Dies jedoch ohne die geringste Rücksicht auf das verwendete Material. Deshalb kann die Massenproduktion diesem wesentlichen Anspruch nie gerecht werden, denn es gibt keine zwei Stücke Holz, welche die gleiche Bearbeitung erfordern. Selbst wenn das Holz vom selben Stamm geschnitten wird, sind die einzelnen Stücke sehr unterschiedlich. Zum Beispiel ist das Holz am unteren Teil des Stammes  in der Regel härter als oben, die der Sonnenseite zugewendeten Partien sind anders als die im Schatten gewachsenen.

Die beiden im Geigenbau gebräuchlichsten Hölzer sind das Tannenholz für die Decke (meistens wird dafür Rottanne verwendet) und das Ahornholz für den Boden, die Zargen und die Schnecke. Das Griffbrett besteht aus Ebenholz, einem sehr harten tiefschwarzen Holz. Wirbel und Saitenhalter sind meist aus Ebenholz, Palisander oder Buchsbaum.

Der schönste Ahorn kommt aus Bosnien, das geeignetste Tannenholz stammt aus den Alpenländern und wächst in einer Höhenlage von etwa 1000 m. Ebenholz wächst in Afrika und stammt vom Baum der Dattelpflaume.

Die gebräuchlichste Bauart ist der Bau mit einer so genannten Innenform. Auf diese Form werden die Zargen angepasst. Die Zargen, welche eine Dicke von etwa 1-1,4 mm haben, werden am so genannten Biegeeisen gebogen. Danach werden sie an den Ober- und Unterklötzen, sowie an den Eckklötzen fest geleimt. Boden und Decke werden mit dem genauen Umriss ausgesägt. Dies alles geschieht nach der genauen Vorlage der zusammenpassenden Schablonen. Die Schablonen können von einem anderen Instrument abgenommen sein, zum Beispiel einer Geige von Stradivari oder Guarneri und werden dann vielleicht noch mit einer kleinen, persönlichen Eigenart ein wenig verändert. Die ausgeschnittene Decke und der Boden werden dann abgewölbt.

Außer der Zargen wird also nichts gebogen oder gepresst, alles wird aus einem massiven Stück Holz gearbeitet. Ist die Außenwölbung fertig werden Boden und Decke innen ausgearbeitet. Boden und Decke sind nicht überall gleich dick. Die Stärken bewegen sich zwischen ca. 2,5 und 4,5 mm. Hier muss sich der Geigenbauer sehr nach der Beschaffenheit des Holzes richten. Nachdem der Boden fertig abgewölbt und ausgearbeitet ist, wird er auf den Zargenkranz geleimt. In die Decke werden noch die F-Löcher geschnitten sowie der Bassbalken eingepasst und eingeklebt. Auch bei der Form der F-Löcher richtet sich der Geigenbauer wieder nach den klassischen Vorbilder, vielleicht wieder mit einer persönlichen Eigenart. Nachdem zuerst die Innenform herausgelöst wurde, wird die Decke auf den Zargenkranz geleimt. Boden und Decke werden dann mit den Einlagen versehen und die Ränder werden fertig abgerundet. Damit ist der so genannte Korpus des Instrumentes fertig.

Aus Ahornholz, das wenn möglich natürlich zum Boden und zu den Zargen passt, wird die Schnecke gestochen. Ist die Schnecke und der so genannte Wirbelkasten fertig gearbeitet, wird das Griffbrett auf den Hals gepasst. Danach wird der fertige Hals in den Korpus eingepasst. Dies ist wieder eine Arbeit die äußerst genau ausgeführt werden muss, weil sie sowohl auf die technische Spielbarkeit, als auch auf den Klang einen großen Einfluss hat. Jetzt ist das weiße Instrument fertig. Es fehlt somit nur noch das Lackkleid.

   

   

5. Der Lack

Die drei wichtigsten Funktionen des Lackes sind folgende:
1. Er soll das Instrument vor Schmutz und Witterung schützen.
2. Er soll die Klangfähigkeit erhöhen
3. Er soll durch sein inneres Feuer die Schönheit des Holzes hervorheben.

Die meisten Geigenbauer trachten danach, im Laufe der Jahre - meist durch viele Versuche - zu einem eigenen, idealen Lackrezept zu gelangen. Tatsächlich hat der Lack einen großen Einfluss auf den Ton. Bei einem zu weichen Lack und ungenügender Grundierung des Holzes besteht die Gefahr einer zu starken Dämpfung des Tons. Im Gegensatz dazu wird der Ton bei einem zu harten, spröden Lack schrill und penetrant. Zusammenfassend kann man sagen, dass ein schlecht gebautes Instrument niemals durch einen guten Lack ein Meisterinstrument werden kann. Ein gutes Instrument kann jedoch durch einen schlechten Lack verdorben werden.

   

  

   

Die Illustrationen haben keinen direkten Bezug zum jeweiligen Thema sondern dienen lediglich der Verschönerung dieser Seite. 

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